Dao und De

Der heutige Titel des Werks – „Das Buch vom Dao und vom De“ – verweist auf die beiden zentralen Begriffe der Weltanschauung Lǎozǐs. Es gibt verschiedene Übersetzungen dieser beiden Worte; relativ verbreitet (z.B. bei Debon) sind „Weg“ und „Tugend“, die schon im 19. Jahrhundert Verwendung fanden. Richard Wilhelm hielt das moralisierende „Tugend“ für abwegig und sah weitreichende Übereinstimmung mit den Begriffen „Sinn“ und „Leben“, was ihm einige Kritik einbrachte. Die Begriffe Dào und Dé finden in allen Richtungen chinesischer Philosophie Verwendung, erhalten im Dàodéjīng aber eine besondere Bedeutung, wo sie erstmals im Sinne einer höchsten bzw. tiefsten Wirklichkeit und eines umfassenden Prinzips gebraucht wurden. Anders als andere chinesische philosophische Texte geht das Dàodéjīng bei diesen Begriffen weder definitorisch noch anschaulich erklärend vor, sondern beschränkt sich auf dunkle, nicht selten scheinbar widersprüchliche Andeutungen und Bezugnahmen. Etwa behauptet