Alapos
"Der Dichter läßt den erkennenwollenden Trieb s p i e l e n, der Musiker läßt ihn a u s r u h e n, -sollte wirkich Beides nebeneinander möglich sein? Sind wir ganz der Musik hingegeben, so giebt es keine anderen Worte in unserem Kopfe, - eine große Erleichterung; sobald wir wieder Worte hören und Schlüsse machen, das heißt sobald wir den Text verstehen, ist unsere Empfindung der Musik gegenüber oberflächlich geworden: wir verbinden sie jetzt mit Begriffen, wir vergleichen sie mit Gefühlen und üben uns im symbolischen Verstehen,- sehr unterhaltend! Aber mit dem tiefen selstamen Zauber, der unsern Gedanken einmal Ruhe gab, mit jener farbigen Dämmerung, welche den geistigen Tag einmal auslöschte, ist es vorbei. - Sobald man freilich die Worte nicht mehr versteht, ist Alles wieder in Ordnung, und dies ist glücklicherweise die Regel; immerhin sind billigerweise schlechtere Texte den besseren vorzuziehen, weil sie kein Interesse auf sich lenken und überhört sein wollen. [...]" Nietzsche