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Wein der Woche mit Bernd Kreis

Wein der Woche mit Bernd Kreis

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DEVO, The Specials, O Superman, Talking Heads and BONUSTRACK / Pierre Moerlen’s Gong.

Dies ist ein Soundtrack aus meiner Oberstufenzeit.
Musik war schon seit meiner Jugend sehr wichtig für mich. Alles fing mit dem Radiorecorder an, den damals alle zum Aufnehmen aus dem Radio genutzt hatten und das herstellten, was heute Mixtape heißt.
Als ich als totales Landei die Oberstufe in der nächst größeren Stadt, Gelnhausen, besuchte, öffneten sich mir neue musikalische Horizonte. Das Städtchen hatte damals eine große US-amerikanische Garnison. Da lag Soul und Funk in der Luft. Aber auch Südstaatenrock und Jazz. Natürlich war das auch noch die Zeit des Punk und der Avantgarde, die Hippiewelle war, zwar abklingend, aber auch noch irgendwie da. Das alles waren musikalische Zumutungen für meine Familie und für die übrigen Bewohner meines kleinen Spessartdorfes, denn mit dem ersten selbstverdienten Geld kam auch ziemlich flott eine Stereoanlage ins Haus, mit der ich in großzügiger Weise Dorfbeschallungen – wie meine Mutter zu sagen pflegte –  durchgeführt hatte.

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WeinhandlungKreis

1. 2018 Jaspe, Vin de Pays des Alpilles, Domaine Hauvette
Ein komplexer Weißwein von Dominique Hauvette, einer verehrenswerten Winzerin. Er wächst in Les Baux de Provence, einem gesegneten Flecken Erde im Rhônedelta mit mediterranem Klima und dramatischer Landschaft. Wie in allen Weinen aus Dominiques Weinbergen, vermeint man auch hier die kräuterwürzige Luft der Provence zu riechen. Der Geschmack ist ungeheuer facettenreich und ausgeprägt mineralisch. Ein großer Weißer, der jetzt hervorragend schmeckt, sich aber über viele Jahre positiv entwickeln wird.
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DEVO, Uncontrollable Urge
Die Jungs von DEVO haben erst einmal für großes Staunen gesorgt. Danach kam dann bei den meisten Leuten entweder Kopfschütteln, Gelächter oder, wie in meinem Fall, Bewunderung. Irgendwie wurden die immer in die Clown-Ecke gestellt, was ich nie verstanden habe. Das war schon noch Punk, aber mit einem riesen Schuss Avantgarde und großartiger Konzeptkunst.
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2. 2018 Gewürztraminer am Sand, Südtirol, Alois Lageder
Die Südtiroler Gewürztraminer unterscheiden sich sehr stark von jenen aus dem Elsass oder aus Deutschland. Statt von barocker Fülle und überbordender Frucht sind sie von Mineralität und Frische geprägt. Der Gewürztraminer am Sand ist ein besonders geradliniger Vertreter dieser Spezies. In Italien trinkt man Südtiroler Gewürztraminer gern zu kräftigen Meeresfischen. Das sollten Sie auch mal probieren.
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The Specials, Blank Expression
Bis heute ist die unbetitelte LP von den Specials eine meiner Lieblingsplatten. Dieser rotzige Ska, der so stark vom Punk beeinflusst war, hat perfekt in die Stimmungslage eines postpubertären Jugendlichen gepasst. Inzwischen ist die Platte ein echter Klassiker und zahlreiche Songs daraus werden bis heute immer wieder gecovered. Eine der bemerkenswertesten Versionen ist „Monkey Man“ von Amy Winehouse. Außerdem ist die Scheibe exzellent aufgenommen. Das hat sicher auch mit dem Produzenten zu tun. Das war kein geringerer als Elvis Costello, der bis heute ganz, ganz oben auf meiner persönlichen Skala der Lieblingsmusiker steht.

3. 2019 Brouilly, Château Cambon
Die Weine von Château Cambon sind puristische Beaujolais in schönster Form. Mit dem Brouilly beweist Marie Lapierre, dass sie mit ihrem unvergleichlich präzisen Stil (nebenbei: das sind alles Naturweine!) eben nicht nur die Rebsorte Gamay perfekt herausarbeitet wie in ihren Beaujolais und Beaujolais Villages, sondern auch herausragende Terroirs wie Brouilly wunderbar abbilden kann. Ein ausgezeichneter leichter Rotwein, der sol genossen schmeckt, aber auch zu Wurst, Geflügel und vielen Käsesorten passt.
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O Superman, Laurie Anderson
Laurie Anderson. Avantgarde pur. Das waren schon ganz schön exotische Klänge für die ganz frühen achtziger Jahre. Mich hatte ihre Musik stets fasziniert, vorher aber erstmal zum Grübeln gebracht, denn sie war so ganz anders als alles andere. Für mich ist Laurie Anderson auch heute noch eine ganz große und intellektuelle Tonkünstlerin. Und bei dieser Wein/Musik-Paarung kommt man nicht umhin, „die Frau von...“ zu erwähnen, denn sowohl Winzerin als auch Musikerin hatten berühmte Ehemänner, die inzwischen beide verstorben sind und in deren Schatten sie immer wieder ungerechtfertigter Weise gestellt werden.

4. 2018 Douro Oriente, Quinta do Monte Xisto
Dass so ein eleganter Rotwein aus einer so heißen Gegend wie dem Dourotal kommen kann, ist wirklich erstaunlich. Für den Oriente werden bei Monte Xisto ausschließlich Ostlagen genutzt (Oriente – Osten), die von der heißen Mittags- und Nachmittagssonne verschont bleiben. Das Ergebnis ist ein extrem feiner Tropfen, der in seiner Finesse und mit den seidigen Tanninen an hochkarätige Burgunder erinnert. Eigentlich der perfekte Wein für die jetzt laufende Wildsaison.
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Talking Heads, Burning down the House
So ähnlich wie DEVO, aber viel intellektueller, waren die Talking Heads für mich auch ein Zeichen des Protests oder des Anders-Seins. Vielleicht hatte mir genau das zuerst am besten an dieser Band gefallen. Jedenfalls hatten diese New Yorker Avant-Gardisten mich musikalisch erstmal so gut wie alles auf den Kopf gestellt und mich dann wirklich zum Grübeln und Staunen gebracht.

Bonustrack:
Pierre Moerlen’s Gong, Downwind
Über die damals gern gespielte Fusion oder Jazz-Rock bin ich zum Jazz gekommen. Dieses hypnotische Stück ist sicher ein wichtiger Grund für meine heutige Musikvorliebe. Nicht nur deshalb darf es in meiner Playlist nicht fehlen, sondern weil mit ihm auch viele wunderbare Erinnerungen verknüpft sind. Es wurde nämlich sehr gern in unserer Oberstufendisko, dem Jazzkeller, gespielt. Das war ein, heute wohl nicht genehmigungsfähiger, Ort in der Gelnhäuser Altstadt. Er war tatsächlich im Schulbesitz, wurde aber komplett als professionelle Diskothek von den Oberstufenschülern betrieben. Pro Forma war deshalb immer ein Lehrer zur Aufsicht da. Dazu haben sich aber sowieso immer die coolen Typen gemeldet und so konnten wir Schüler im Prinzip machen was wir wollten. Aber Beschwerden von den Nachbarn hat es erstaunlich selten gegeben. Ich glaube, dass die Leute früher toleranter waren, obwohl den Begriff Toleranz damals wahrscheinlich nur die wenigsten kannten. Immer mittwochs war Jazzkellerabend. Dementsprechend mühsam war für uns die Teilnahme am donnerstäglichen Unterricht. Ich schätze, dass die Donnerstage für unsere Lehrer ebenfalls keine Lieblingsmomente waren. Übrigens sollte man diese exzellente Aufnahme wirklich laut abspielen, dann kommt sie extrem gut zur Geltung. Die Gitarrensoli spielte übrigens Mike Oldfield, ein in den siebziger Jahren ziemlich angesagter Gitarrist in dessen Band Pierre Moerlen häufig als Schlagzeuger aktiv war.